Es ist eine Illusion zu glauben, man könne gegen den Staat aufkommen

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Immer wieder erliegen Menschen der Illusion, dass sie auf die Straße gehen und Fensterscheiben einschlagen müssen, wenn ihnen Unrecht geschieht. Politiker aller Schattierungen fabulieren bereits von kommenden Volksaufständen und vom Bürgerkrieg. Dieses Aufbegehren gegen die Gewalt „von oben“ ist verständlich, weil Menschen sie nur schwer ertragen und sie ebenfalls mit Gewalt abwehren wollen. Hundert und mehr Jahre Geschichte haben jedoch gezeigt, dass der verspielt, der so dumm ist zu glauben, dass er gegen den Staat aufkommen kann. Der Staat ist gut gerüstet.

Eine pazifistische Welt kann nur durch eine tiefgreifende Änderung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse entstehen. Um dies zu erreichen, muss die Menschheit aber einen anderen Weg wählen als den der Gewalt. Bereits zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schrieb Albert Camus in sein Tagebuch: „Treiben Sie niemanden zum Aufruhr. Man muss mit dem Blut und der Freiheit der anderen schonend umgehen.“ Er empfiehlt, die Mitmenschen umfassend aufzuklären und als erstes Gebot Selbstbeherrschung zu lernen (1).

Toleranz ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Nachgeben. Sie ist eine Tugend, die Frieden ermöglicht. Hinzu kommt die Aufklärung und die Erziehung, eine gewaltige Aufgabe, die viel Zeit und Geduld benötigt: Die Menschen müssen sich selbst, ihre Natur, ihre Reaktionsweisen und die der anderen kennen lernen und damit zu „Antriebsriemen“ der Veränderung der Welt werden (2). Die Jugend braucht humane und mutige Vorbilder, um die Welt einmal in eine andere Bahn lenken zu können.

Ohne Zwang und Gewalt – in absoluter Freiwilligkeit

Nur indem sich die Menschen zusammensetzen und überlegen, wie sie die anstehenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme gemeinsam lösen können, wird die Menschheit weiterkommen und die Welt genesen. Auf freiwilliger Basis assoziieren sie gerne. Bereits das Kind kooperiert, wenn es nicht gezwungen wird. Zwang und Gewalt ersticken das natürliche Bedürfnis zur Mitarbeit. Dem Konzept der Freiheit muss dann jenes der Gewaltlosigkeit folgen.

Wieso sollten erwachsene Menschen nicht in der Lage sein, ohne Zwangsmaßnahmen wie genverändernde Impfungen oder freiheitsraubende Isolierung mit dem Problem eines Virus zurechtzukommen? Auch können sie mit überlegen, wie zwischenstaatliche Probleme ohne einen verheerenden Krieg gelöst werden können. Auf keinen Fall sollte die Lösung von Menschheitsproblemen an Politiker delegiert werden! (3)

Ein politisches Beispiel für unangebrachte Zwangsmaßnahmen war die russische Revolution. Dort haben die Bolschewiki das zaristische Prinzip der Gewalt, der Unterdrückung und des Zwanges angewandt, anstatt den humanistischen Weg zu wählen und die Menschen anzusprechen und frei zu lassen. Vielleicht hätte so der Zweite Weltkrieg verhindert werden können.

Toleranz ist nicht gleichbedeutend mit Nachgeben

Diese bedeutende Aussage schrieb Albert Camus in seinen Tagebuchaufzeichnungen von 1939 Johann Wolfgang von Goethe zu (4). Aber wie auch immer: Vom 25. Oktober bis 16. November 1995 wurde auf der 28. Generalkonferenz der Mitgliedstaaten der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation) eine „Erklärung von Prinzipien der Toleranz“ verabschiedet, aus der im Folgenden nur auszugweise zitiert werden kann. In der Präambel schreiben die Staaten der UNESCO:

„Entschlossen, alle positiven Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um den Gedanken der Toleranz in unseren Gesellschaften zu verbreiten – denn Toleranz ist nicht nur ein hochgeschätztes Prinzip, sondern eine notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker – erklären wir“:

  • „Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt.“
  • „Toleranz ist eine Tugend, die den Frieden ermöglicht, und trägt dazu bei, den Kult des Krieges durch eine Kultur des Friedens zu überwinden.“
  • „Toleranz ist nicht gleichbedeutend mit Nachgeben, Herablassung und Nachsicht.“
  • „In Übereinstimmung mit der Achtung der Menschenrechte bedeutet praktizierte Toleranz weder das Tolerieren sozialen Unrechts noch die Aufgabe oder Schwächung der eigenen Überzeugungen.“
  • „Toleranz auf der Ebene staatlichen Handelns erfordert Gerechtigkeit und Unparteilichkeit in der Gesetzgebung, bei der Anwendung der Gesetze sowie in Justiz und Verwaltung.“
  • „In der heutigen Welt ist Toleranz wichtiger als jemals zuvor.“
  • „Toleranz ist notwendig zwischen einzelnen wie in Familie und Gemeinschaft.“
  • „Bildung ist das wirksamste Mittel gegen Intoleranz.“
  • „Erziehung zur Toleranz gehört zu den vordringlichsten Bildungszielen.“
  • „Wir verpflichten uns zur Förderung von Toleranz und Gewaltlosigkeit durch Programme und Institutionen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.“ (5)

Camus: „Treiben Sie niemanden zum Aufruhr!“ 

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schreibt Camus in einem Brief an einen Verzweifelten:

„Sie haben eine Aufgabe, zweifeln Sie nicht daran. Jeder Mensch besitzt einen mehr oder weniger großen Einflussbereich. Er verdankt ihn seinen Mängeln ebenso sehr wie seinen Vorzügen. Aber wie dem auch sei, er ist vorhanden und er kann unmittelbar genutzt werden. Treiben Sie niemanden zum Aufruhr. Man muss mit dem Blut und der Freiheit der anderen schonend umgehen. Aber Sie können zehn, zwanzig, dreißig Menschen davon überzeugen, dass dieser Krieg weder unabwendbar war noch ist, dass noch nicht alle Mittel versucht worden sind, ihm Einhalt zu gebieten, dass man es sagen, es wenn möglich schreiben, es wenn nötig hinausschreien muss! Diese zehn oder dreißig Menschen werden es zehn anderen weitersagen, die es ihrerseits weiterverbreiten. Wenn die Trägheit Sie zurückhält, nun gut, so fangen Sie mit anderen von vorne an.“ (6)

Die Jugend braucht humane und mutige Vorbilder 

Um die Welt einmal in eine andere Bahn lenken zu können, braucht die Jugend humane und mutige Vorbilder. Das können zum einen die Eltern und Großeltern, zum anderen die Lehrkräfte sein. Doch zunächst müssen sich die Menschen selbst erkennen. Sie müssen sich ihrer Natur und ihrer psychischen Reaktionsweisen bewusst werden – und in einem nächsten Schritt auch die anderen Menschen erkennen (7).

Dieses Wissen können sich die Menschen in der Regel nicht einfach durch simple Lernprozesse aneignen. Um ihre gefühlsmäßige Einstellung zu ändern, sollten sie eine therapeutische Beziehung zu einem Psychotherapeuten, der ein wirklicher „Menschenkenner“ ist, eingehen. Durch eine Vertrauensbeziehung erlebt der einzelne Mensch Annahme und Mitgefühl. Die ermöglicht ihm, kränkende Erlebnisse aufzuarbeiten. Dadurch erlangt das Individuum eine verständnisvolle Sicht seiner selbst und seiner Mitmenschen.

Ein gestärkter und sich seiner selbst bewusster Erwachsener (ob Mutter, Vater oder Lehrkraft) ist dann ein geeignetes Vorbild für die zu ihm aufblickende Jugend. Ausgestattet mit einem gesunden Menschenverstand bringt er den Mut auf, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, denkt für alle anderen mit, weil er keine Angst vor seinen Mitmenschen hat, sondern mit ihnen kommuniziert und kooperiert. Er unterwirft sich auch nicht gehorsam irgendeiner angeblichen Autorität, sondern bleibt sich und seiner Ethik treu. Er bekennt sich offen zur Gewaltlosigkeit, zum Frieden, zur Freiwilligkeit und zum Geist der Verantwortlichkeit in Familie und Gesellschaft und sieht im Gemeinsinn ein erstrebenswertes Ziel für alle Menschen.

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Dr. Rudolf Lothar Hänsel ist Lehrer (Rektor a. D.), Doktor der Pädagogik (Dr. paed.) und Diplom-Psychologe (Dipl.-Psych. mit Schwerpunkt: Klinische-, Pädagogische-, Medien- sowie Individual-Psychologie). Viele Jahrzehnte unterrichtete er, bildete bei der BAYER-AG in Leverkusen Hochschulabsolventen fort, gründete in Köln zusammen mit Kollegen eine Modellschule für ehemalige Schulversager und leitete sie. An der Bayerischen Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung war er als Instituts-Rektor für die Ausbildung von Beratungslehrkräften für alle Schularten zuständig. Am Ende seiner Berufslaufbahn war er Staatlicher Schulberater für die Landeshauptstadt München. Als Pensionär arbeitete er viele Jahre als Psychotherapeut in eigener Praxis. In seinen Büchern und pädagogisch-psychologischen Fachartikeln fordert er eine bewusste ethisch-moralische Werteerziehung und eine Erziehung zum Gemeinsinn und Frieden.

Noten 

(1) Marin, Lou (Hrsg.). (2013). Albert Camus – Libertäre Schriften (1948-1960). Hamburg, S. 268 und 273

(2) https://www.globalresearch.ca/wer-die-welt-andern-will-muss-den-menschen-andern/5788261

(3) https://www.globalresearch.ca/die-losung-der-menschheitsprobleme-nicht-an-politiker-delegieren/5748759/

(4) Marin, Lou (Hrsg.). (2013). Albert Camus – Libertäre Schriften (1948-1960). Hamburg, S. 268

(5) https://www.verbraucherschutzstelle.de/prinzipien_der_toleranz.htm/

(6) Marin, Lou (Hrsg.). (2013). Albert Camus – Libertäre Schriften (1948-1960). Hamburg, S. 273

(7) https://www.globalresearch.ca/wer-die-welt-andern-will-muss-den-menschen-andern/5788261

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